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Hochschulen gehen neue Wege - Doppelter Jahrgang und Umstrukturierung bei der Bundeswehr

Anton Bollen am Dienstag 11.10.11

E-Learning-Angebote schaffen Flexibilität für Lehrpersonal und Studenten

Universitäten und Fachhochschulen müssen sich auf eine wahre Flut an Studenten vorbereiten. Denn nicht nur die doppelten Abiturjahrgänge auf Grund der G8-Beschlüsse lassen eine deutlich höhere Zahl an Studienanfängern erwarten, auch die Abschaffung der Wehrpflicht wird die Zahl der Erstsemester in die Höhe treiben. Neben herkömmlichen Maßnahmen können unterstützende E-Learning-Angebote Abhilfe schaffen, indem sie einer großen Anzahl von Studenten Lerninhalte zu geringen Kosten bieten.

Auswirkungen der G8-Verkürzung auf das deutsche Hochschulsystem

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Deutschlands Bildungsreform ist in vollem Gange: Nachdem die Umstellung der Studienabschlüsse von Diplom und Co. auf Bachelor und Master mittlerweile abgeschlossen ist, gilt es nun, die gemäß G8 beschlossene Kürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre zu bewältigen. Ziel beider Reformen ist es, das deutsche Hochschulsystem an das internationale anzupassen und das Studieren einfacher zu machen. Durch die Kürzung der Gymnasialzeit sollen die durchschnittlichen deutschen Schul- und Studienzeiten an die vergleichbarer wirtschaftsstarker Nachbarländer anglichen werden.

Konkret bedeutet das: Nachdem Hamburg im vergangenen Jahr den Auftakt zu den doppelten Abiturjahrgängen machte, sind dieses Jahr Bayern und Niedersachsen, die zu den bevölkerungsdichtesten Bundesländern Deutschlands zählen, an der Reihe. Durch das fast zeitgleiche Abitur der Klassen 12 und 13 gibt es in Bayern 2011 rund 69.000 Abiturienten - fast doppelt so viele wie sonst. Niedersachsen ist in derselben Lage. Hier schätzt das Kultusministerium die Zahl auf 70.000 Abiturienten. Dies bedeutet ebenfalls ein Anstieg um rund 50%.

Und von Entwarnung kann keine Rede sein: Weitere Bundesländer werden mit den doppelten Abiturjahrgängen in den nächsten Jahren folgen. Der Prozess wird voraussichtlich erst 2016 abgeschlossen sein und über den kompletten Zeitraum für Spannungen an den Universitäten sorgen. Hinzu kommt, dass durch die Abschaffung der Wehrpflicht in diesem Jahr laut Schätzungen des Kultusministeriums mit fast 50.000 zusätzlichen Studenten zu rechnen ist. Aktuellen Schnellmeldungen der bayrischen Hochschulen zu Folge haben vor einem Jahr 4.937 Studierende ihr Studium im Sommer begonnen, heuer sind es 13.392. Das entspricht einer Zunahme um 171 Prozent.

Die Hochschulen wappnen sich für den Ansturm

Die Bundesländer haben ihren Hochschulen daher hohe Ziele gesteckt, um der Lage Herr zu werden: Niedersachsen will von 2011 bis 2015 rund 38.550 zusätzliche Studienanfängerplätze schaffen, davon allein für das Studienjahr 2011/2012 rund 10.700. In Bayern sollen bis Ende 2011 insgesamt 38.000 neue Studienplätze hinzukommen. Um dem Ansturm auf die Studienplätze entgegenzuwirken, wurde das Lehrpersonal aufgestockt. Dadurch können zusätzliche Kurse angeboten werden. Bis zu einer Milliarde Euro lässt sich Bayern das beispielsweise bis 2013 kosten. Des Weiteren wurden die Abiturprüfungen für die letzten Abiturienten mit neunjähriger Gymnasialzeit vorverlegt. Damit haben die Abiturienten, die noch 13 Jahre zur Schule gingen, zum Teil die Chance, ihr Studium bereits im Sommersemester zu starten. Die G8-Jahrgänge beginnen idealerweise erst zum Wintersemester.

Für diejenigen Fächerkombinationen, bei denen G9-Studenten nicht bereits im Sommersemester einsteigen können (zum Beispiel die „harten" Numerus-Clausus-Fächer Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie), bieten viele Universitäten sogenannte „Überbrückungskurse" an. Das Angebot reicht von Sprach- und EDV-Kursen bis hin zu Angeboten, die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens für das gewählte Studienfach vermitteln. Diese kommen auch G9-Abiturienten entgegen, die nicht bereits einen knappen Monat nach den Abiturprüfungen schon in der ersten Vorlesung sitzen sondern erst zum Wintersemester beginnen möchten. Die meisten dieser Kurse finden noch auf traditionelle Art in Form von Präsenzunterricht in den Räumlichkeiten der Universität statt.

E-Learning - ein innovativer Problemlösungsansatz im Umgang mit dem doppelten Jahrgang...

Manche Hochschulen gehen zur Bewältigung dieser Situation aber auch bewusst einen neuen Weg. So entwickelten die Universitäten Regensburg und Augsburg z.B. zusammen das E-Learning-Angebot „Informationskompetenz". Dieses wurde zum Wintersemester 2010 erstmals allen Studenten bayrischer Hochschulen über die Virtuelle Hochschule Bayern (www.vhb.org) zugänglich gemacht und auch 2011 fortgeführt. Gedacht ist das Angebot als „Einführung in den kompetenten Umgang mit Information - eine Schlüsselkompetenz, die gerade für Studierende im ersten und zweiten Semester besonders wichtig ist, aber auch im weiteren Studienverlauf oder im späteren Berufsleben eine immer größere Bedeutung einnimmt". Das Angebot wurde aber auch bewusst als Überbrückungsangebot für den doppelten Abiturjahrgang konzipiert.

Der Online-Kurs und sein innovatives E-Lernkonzept wurden von der Professur für Mediendidaktik des Instituts für Medien und Bildungstechnologie (imb) der Universität Augsburg, der Professur für Medieninformatik der Universität Regensburg und der Universitätsbibliothek Regensburg entwickelt, die auf langjährige fachliche Expertise im Bereich Informationskompetenz zurückgreifen können.

... und als Chance für die Zukunft des deutschen Hochschulwesens

Der Vorteil von E-Learning-basierten Zusatzangeboten liegt nicht nur in der darin, dass sie den Studenten ein individuelles Tempo zum Lernen lassen und ihre Fähigkeit zum Selbststudium fördern. Im Gegensatz zu erhöhten Kosten für zusätzliches Lehrpersonal und Räume für den doppelten Jahrgang können mit E-Learning-basierten Überbrückungskursen Studieninhalte ohne große Mehrkosten einer größeren Studentenzahl zugänglich gemacht werden. Lediglich eine belastbare IT-Infrastruktur muss zur Verfügung stehen.

E-Learning-Material kann selbst dann noch leicht für Studenten zugänglich gemacht werden, wenn die für den doppelten Jahrgang bereitgestellten Finanzspritzen aufgebraucht und der zusätzliche Lehrkörper auf Grund der zwischenzeitlich ausbalancierten Studentensituation reduziert werden sollte.

Gerade E-Learning-Konzepte wie das der Universitäten Regensburg und Augsburg bieten so langfristig zugleich Sparpotenziale und Möglichkeiten zur Verbesserung der Lernqualität. Einerseits sind sie in gewissem Maß unabhängig von Räumen und Dozenten, die das Lehrmaterial im Vorlesungssaal vortragen. Andererseits könnte bereits vorhandenes Material ohne große Mehrkosten und Zeitaufwand einfach aktualisiert werden. So können im Fall von Grundlagenkursen wie der „Einführung in wissenschaftliches Arbeiten" zum Beispiel Bildschirmaufzeichnungen dazu dienen, Grundzüge der wissenschaftlichen Recherche im Bibliothekskatalog zu erklären. Des Weiteren können interaktive Übungen die Kenntnisse wissenschaftlich korrekten Zitierens abfragen - und das jederzeit und unabhängig davon, ob im Hörsaal oder vom heimischen PC aus. Es bietet sich unter Umständen sogar an, manche Teilinhalte ohne Kostenmehraufwand fächerübergreifend zu verwenden.

Anton Bollen, deutscher Vertreter von TechSmith, einer der führenden Anbieter für Bildschirmaufzeichnungs-Software, sieht darin eine echte Chance. Das Unternehmen arbeitet bereits seit Jahren mit den E-Learning-Beauftragten deutschsprachiger Universitäten zusammen, unter anderem auch im Bereich Vorlesungsaufzeichnung. „Natürlich kann E-Learning einen Dozenten nicht vollständig ersetzen", meint Bollen, „das soll es aber auch nicht. Es bietet den Studenten vielmehr die Möglichkeit zur gezielten individuellen Vor- und Nachbereitung des Lehrstoffs. Die Universitäten profitieren zudem von den geringen Kosten für dieses Angebot, da sich Kosteneinsparungen durch wiederverwertbares Material ergeben."

Investion in E-Learning-Angebote - eine Investion in die Zukunft

E-Learning-Angebote unterstützen die Bildungsreform außerdem nicht nur beim aktuell bevorstehenden Studienplatzengpass, sondern auch bei der Etablierung der neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse. Denn gerade mit diesem neuen System wird die Bindung der Hochschulen zur freien Wirtschaft gestärkt. So wird der Zugang zu Positionen, die einen akademischen Titel voraussetzen, mit dem Bachelor viel schneller möglich als mit den vorherigen Studienabschlüssen wie z.B. dem Diplom. Damit steigt potentiell aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass berufsbegleitende Studiengänge auch in Zukunft noch stärker nachgefragt werden: Denn es ist es absehbar, dass ein bestimmter Prozentsatz der künftigen Bachelor-Absolventen sich nach einiger Zeit in der freien Wirtschaft die Frage stellen wird, ob die Rückkehr an die Universität, um dort den Master zu erlangen, lohnend ist. Laut einer aktuellen Studie der Hochschulinformationssystem GmbH werden derzeit nur 17% der Masterstudiengänge berufsbegleitend angeboten. Für viele Masterabschlüsse ist daher nach wie vor ständige Präsenz an der Universität vorgeschrieben. Damit ist allerdings die Aufgabe des Jobs und damit eines festen Einkommens verbunden. Dieser Zielgruppe kann E-Learning helfen, da gerade diese Technik ein effektives berufsbegleitendes Studium fördert. Ilja Kaleck, Dozent für Rechnernetze an der Fachhochschule Wedel, bestätigt beispielsweise: „Seit kurzer Zeit steigt bei uns die Anforderung beziehungsweise die Notwendigkeit, bestehende als auch neue Veranstaltungen verstärkt auch online anbieten zu ‚müssen'. Dieses erfolgt vor dem Hintergrund, dass gerade bei Einführung berufsbegleitender Studiengänge die Teilnehmer häufig nicht so oft „vor Ort sein können" bzw. lange Anreisewege für Einzelkurse in Kauf nehmen müssten." Für ihr Online-Angebot nutzt die Fachhochschule bereits jetzt verschiedene E-Learning-Hilfsmittel wie zum Beispiel Live-Vorlesungsaufzeichnung und Screencasts zu Lerninhalten, die den Studenten auch am heimischen Rechner zur Verfügung stehen - eine spannende Perspektive für die Zukunft des Hochschulwesens.

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Dieser Post wurde am 11.10.11 13:55 geschrieben.


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